Bluthochdruck liegt vor, wenn die Blutdruckwerte dauerhaft über 140/90 mmHg liegen. Man unterscheidet zwischen primärer Hypertonie (90% der Fälle) ohne erkennbare Ursache und sekundärer Hypertonie, die durch andere Erkrankungen verursacht wird. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören Übergewicht, Bewegungsmangel, salzreiche Ernährung, Stress und genetische Veranlagung. Unbehandelt kann Bluthochdruck zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen führen.
Die medikamentöse Behandlung erfolgt stufenweise mit verschiedenen Wirkstoffgruppen. ACE-Hemmer wie Ramipril und Enalapril erweitern die Blutgefäße und reduzieren die Herzbelastung. AT1-Rezeptor-Antagonisten (Valsartan, Candesartan) wirken ähnlich, haben aber weniger Nebenwirkungen. Betablocker wie Metoprolol und Bisoprolol senken die Herzfrequenz. Diuretika (Hydrochlorothiazid, Torasemid) fördern die Wasserausscheidung, während Kalziumkanalblocker wie Amlodipin die Gefäße entspannen.
Neben Medikamenten sind Lifestyle-Änderungen entscheidend für den Behandlungserfolg:
Der Zielblutdruck liegt meist unter 140/90 mmHg, bei Diabetikern und Nierenerkrankten unter 130/80 mmHg. Oft sind Kombinationstherapien notwendig, um optimale Werte zu erreichen.
Herzinsuffizienz bezeichnet die verminderte Pumpfunktion des Herzens. Bei der systolischen Form ist die Auswurfleistung reduziert, während bei der diastolischen Herzinsuffizienz die Füllung des Herzens gestört ist. Die NYHA-Klassifikation unterteilt die Erkrankung in vier Schweregrade je nach Belastbarkeit. Während die akute Herzinsuffizienz einen Notfall darstellt, entwickelt sich die chronische Form schleichend und erfordert eine dauerhafte Therapie.
Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten zu verlangsamen. ACE-Hemmer und ARBs reduzieren die Herzbelastung und verbessern die Prognose. Betablocker wie Carvedilol und Nebivolol senken die Herzfrequenz und stärken langfristig die Pumpkraft. Diuretika wie Furosemid lindern Wassereinlagerungen, während Spironolacton zusätzlich herzschützend wirkt. Digitalis-Präparate verstärken die Herzkraft bei schwerer Insuffizienz. Moderne SGLT2-Inhibitoren zeigen vielversprechende Ergebnisse in der Herzinsuffizienz-Therapie und erweitern das Behandlungsspektrum erheblich.
Die koronare Herzkrankheit (KHK) entsteht durch Atherosklerose der Herzkranzgefäße, die zu Koronarstenosen und damit zur Minderdurchblutung des Herzmuskels führt. Man unterscheidet zwischen stabiler Angina pectoris mit belastungsabhängigen Beschwerden und instabiler Angina als Form des akuten Koronarsyndroms. Ziel der Behandlung ist die Verbesserung der Lebensqualität, die Verhinderung von Herzinfarkten und die Reduzierung der Sterblichkeit.
Die medikamentöse Therapie der KHK basiert auf mehreren Säulen. Nitrate wie Isosorbidmononitrat oder Glyceroltrinitrat erweitern die Koronargefäße und lindern Angina-Beschwerden. Betablocker senken Herzfrequenz und Sauerstoffverbrauch des Herzens. Kalziumantagonisten verbessern die Durchblutung und können den Blutdruck senken. Zur Sekundärprävention sind Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS oder Clopidogrel essentiell, während Statine durch Cholesterinsenkung das Fortschreiten der Atherosklerose verlangsamen.
Die Sekundärprävention umfasst neben der medikamentösen Therapie auch umfassende Lifestyle-Modifikationen:
Regelmäßige kardiologische Kontrollen ermöglichen die Anpassung der Therapie und frühzeitige Erkennung von Komplikationen.
Herzrhythmusstörungen können vielfältige Formen annehmen. Vorhofflimmern und Vorhofflattern sind die häufigsten supraventrikulären Arrhythmien, die mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einhergehen. Ventrikuläre Arrhythmien können lebensbedrohlich sein. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen bradykarden Rhythmusstörungen mit verlangsamtem Herzschlag und tachykarden Formen mit beschleunigter Herzfrequenz.
Die antiarrhythmische Behandlung richtet sich nach Art und Schweregrad der Rhythmusstörung:
Bei Vorhofflimmern ist zusätzlich eine Antikoagulation mit modernen oralen Antikoagulanzien oder Marcumar zur Schlaganfallprophylaxe erforderlich. Die Therapieentscheidung erfolgt individuell nach Risikobewertung und Leitlinienempfehlungen.
Fettstoffwechselstörungen gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein erhöhter Cholesterinspiegel kann zur Arteriosklerose führen und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich steigern. Das Verständnis der verschiedenen Cholesterinarten ist entscheidend für eine effektive Therapie.
LDL-Cholesterin wird oft als "schlechtes" Cholesterin bezeichnet, da es sich in den Arterienwänden ablagern kann. HDL-Cholesterin hingegen transportiert überschüssiges Cholesterin zur Leber und wird daher als "gutes" Cholesterin bezeichnet. Das Gesamtcholesterin umfasst beide Werte sowie weitere Lipidkomponenten.
Triglyzeride und Lipoproteine spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel. Erhöhte Triglyzeridwerte können insbesondere in Kombination mit niedrigem HDL-Cholesterin das kardiovaskuläre Risiko erhöhen. Die familiäre Hypercholesterinämie ist eine genetisch bedingte Störung, die bereits in jungen Jahren zu extrem hohen Cholesterinwerten führen kann.
Statine bilden die Grundlage der medikamentösen Cholesterintherapie. Sie hemmen die körpereigene Cholesterinproduktion in der Leber und können das LDL-Cholesterin um 30-60% senken. Zu den häufig verordneten Statinen gehören:
Ezetimib hemmt die Cholesterinaufnahme im Darm und wird oft in Kombination mit Statinen eingesetzt. PCSK9-Inhibitoren wie Evolocumab und Alirocumab sind moderne Biologika für Patienten mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko oder Statin-Intoleranz.
Bei erhöhten Triglyzeridwerten kommen Fibrate zum Einsatz, während Omega-3-Fettsäuren als ergänzende Therapie bei verschiedenen Fettstoffwechselstörungen verwendet werden können.
Die Zielwerte für das LDL-Cholesterin richten sich nach dem individuellen kardiovaskulären Risiko des Patienten. Hochrisikopatienten sollten LDL-Werte unter 70 mg/dl erreichen, während bei sehr hohem Risiko sogar Werte unter 55 mg/dl angestrebt werden.
Regelmäßige Laborkontrollen sind wichtig, um den Therapieerfolg zu überwachen und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Besonders die Leberwerte und Muskelenzyme sollten kontrolliert werden, da Statine gelegentlich zu Leberfunktionsstörungen oder Muskelbeschwerden führen können.
Thromboembolische Erkrankungen entstehen durch die Bildung von Blutgerinnseln in den Gefäßen, die den Blutfluss behindern oder vollständig blockieren können. Diese lebensbedrohlichen Ereignisse erfordern eine schnelle Diagnose und Behandlung.
Die venöse Thromboembolie umfasst tiefe Beinvenenthrombosen und Lungenembolien. Risikofaktoren sind längere Immobilisation, Operationen, Krebserkrankungen und genetische Gerinnungsstörungen. Eine Lungenembolie entsteht meist, wenn sich ein Thrombus aus den Beinvenen löst und in die Lungengefäße gespült wird.
Arterielle Thrombosen betreffen hauptsächlich die Herzkranzgefäße und hirnversorgenden Arterien. Sie entstehen meist auf dem Boden arteriosklerotischer Veränderungen und können zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.
Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon sind bewährte Antikoagulanzien, die seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt werden. Sie hemmen die Bildung verschiedener Gerinnungsfaktoren und erfordern eine regelmäßige INR-Kontrolle.
Direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) haben die Gerinnungstherapie revolutioniert. Diese modernen Medikamente bieten mehrere Vorteile:
Heparine wie Enoxaparin werden hauptsächlich zur akuten Behandlung und Überbrückung eingesetzt. Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS, Prasugrel und Ticagrelor verhindern das Zusammenkleben der Blutplättchen und werden besonders bei arteriellen Erkrankungen verwendet.
Die Auswahl des geeigneten Antikoagulans hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Art der Erkrankung, Nierenfunktion, Blutungsrisiko und möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Absolute Kontraindikationen sind aktive Blutungen und schwere Blutungsneigung.
Bei Vitamin-K-Antagonisten ist eine regelmäßige INR-Kontrolle erforderlich, um den Zielbereich von 2,0-3,0 zu erreichen. DOAKs erfordern keine routinemäßigen Gerinnungskontrollen, jedoch sollte die Nierenfunktion regelmäßig überwacht werden, da die meisten DOAKs renal eliminiert werden.
Die Dosierung muss bei eingeschränkter Nierenfunktion angepasst werden, um eine Überdosierung und erhöhtes Blutungsrisiko zu vermeiden. Besondere Vorsicht ist bei älteren Patienten und gleichzeitiger Einnahme blutungsfördernder Medikamente geboten.